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Der Blog Coding Oberpfalz. Eine Vorstellung

Die Oberpfalz programmieren? Wie soll das gehen bei den vielen verschiedenen Mentalitäten und dialektalen Zungenschlägen, die teilweise schon zwei Gemeinden weiter für Stirnrunzeln sorgen? Falls Sie sich diese oder ähnliche Fragen stellen, sei bereits an dieser Stelle Entwarnung gegeben. Das Ziel dieses Blogs ist es keineswegs, ein digitales Abbild der Oberpfalz zu schaffen. Er ist viel mehr als Vernetzungsstelle für die vielen verschiedenen Projekte zu verstehen, die sich auch mit digitalen Methoden und Techniken der Geschichte, der Sprache und dem Brauchtum der Oberpfalz widmen. Unser Ziel ist es, diesen Projekten eine Bühne zu geben und nach Abschluss ihre Ergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Dies soll nicht nur zur weiteren Vernetzung zwischen Heimatforschung und institutioneller Forschung beitragen. Viel mehr soll so auch die Wahrnehmung von Synergien zwischen verschiedenen Akteuren geweckt werden.

Blick auf Lupburg bei Parsberg im Abendlicht
Blick auf Lupburg bei Parsberg im Abendlicht

Denn auch das soll hier fortan geschehen: mit kleinen Anleitungen und Tutorials wollen wir digitale Arbeitsweisen an sich vorstellen und somit die Forschung zur Oberpfalz fest in der Forschungslandschaft des 21. Jahrhunderts verankern. So mancher Heimatpfleger und so manche Heimatforscherin dürfte einen Teil ihrer Daten (bewusst oder unbewusst) in Datenbanken organisiert haben. Die sprichwörtliche Excel-Tabelle ist hier vielleicht der am häufigsten anzutreffende Fall. Diese Daten stehen so auf dem heimischen Rechner meist für sich allein. Dabei könnten Sie mit wenigen Schritten nicht nur angereichert und aufgewertet, sondern bei Offenheit hierfür auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Egal, ob öffentlich zur Verfügung gestellt oder nicht, oft lässt sich aus den eigenen Notizen und Forschungsdaten noch einiges mehr für die eigenen Forschungen herausholen.

Aktuell entstehen in der Oberpfalz einige Projekte, die Heimatforschung nicht nur digital, sondern auch kooperativ denken. Allen voran ist hier wahrscheinlich an das aufblühende OberpfalzWiki zu denken, welches immer mehr an Mitschreibenden und Artikeln hinzugewinnt. 1 Doch entstehen auch andernorts, teilweise in Kooperation mit Archiven, digitale Projekte, die beispielhaft für die Zusammenarbeit von Heimatforschung in institutionellen Akteuren stehen können. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Onlinestellung der Register der Briefprotokolle des Pflegamts Hemau (1621-1803) im Jahr 2023. 2 Ein weiteres Projekt ist am 30. Juni 2025 im Freilandmuseum Oberpfalz zu einem Abschluss gekommen. Das Team des Projekts hand.gemacht untersuchte und dokumentierte unterschiedlichste nach dem Zweiten Weltkrieg in der Oberpfalz handgefertigte Gegenstände. 3 Die Bandbreite reicht von Kirwakränzen über Bierkrüge bis hin zu Möbeln und Kapellen. Ihre 3D-Scans der teilweise extrem vergänglichen Untersuchungsgegenstände stellt das Museum in einer Unikathek der Allgemeinheit zum Stöbern und Weiterdenken zur Verfügung. Doch auch die vielen verdienstvollen Arbeiten des Vereins für Computergenealogie und seiner Mitglieder sind hier zu nennen, stellen sie doch wertvolle Vorarbeiten für fast jede Familiengeschichte der Region dar. 4 Ohne ihre frei publizierten und verknüpften Daten würden die meisten Familienforscherinnen und Familienforscher einen deutlich schwierigeren Einstieg in die Geschichte ihrer Familie vorfinden.

Blick auf den Dreschstadel im Freilandmuseum Oberpfalz. Bild: Reinhold Möller, CC BY-SA 4.0

Erst jüngst, Anfang August 2025, fand in Sulzbach-Rosenberg eine wissenschaftliche Tagung statt, die digitale Methoden der Landesgeschichte diskutierte und auch dezidiert für die interessierte Öffentlichkeit geöffnet war. Unter dem Titel „Coding History. Perspektiven einer digitalen Landesgeschichte“ diskutierten rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem Projekte zur Bayerischen Landesgeschichte und ihre Potenziale für die Zukunft. 5 Hierbei wurden die verschiedenen Ansätze und Ergebnisse vorgestellt und so manch neue Kooperation liegt bereits jetzt in der Luft. Aus den Pausengesprächen auf dieser Tagung ist das entstanden, was Sie in diesem Moment lesen: der Blog Coding Oberpfalz. Er versteht sich damit als Weiterführung der extrem produktiven Diskussionen in Bezug auf die Oberpfalz. Da man jedoch auch von anderen Beispielen lernen kann und wird, seien ab und an auch Abstecher zu angrenzenden Landesteilen erlaubt. Gerade in Bayern ergeben sich hier viele Kooperationsmöglichkeiten. Seinen geschichtsinteressierten Bewohnerinnen und Bewohnern sei Dank.

Bis dahin sind Sie herzlich eingeladen, in regelmäßigen Abständen auf diesem Blog zu stöbern und zu schauen, was sich in den unterschiedlichen Feldern der digitalen Erforschung der Oberpfälzer Geschichte, Sprache und Tradition tut.

– Max Grund, im Namen des Redaktionsteams

  1. Das OberpfalzWiki findet sich hier.[]
  2. Die Register der Briefprotokolle finden hier.[]
  3. Zur Website des Projektes hand.gemacht geht es hier.[]
  4. Ein Beispiel für den Raum Amberg findet sich hier.[]
  5. Zur Seite der Tagung auf dem OberpfalzWiki, sh. hier.[]
Max Grund
Max Grund
Max Grund ist Historiker an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er forscht u.a. zur Landesgeschichte der Oberpfalz, der Stadtgeschichte und zur Geschichte… Weiterlesen

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Max Grund (1. September 2025). Der Blog Coding Oberpfalz. Eine Vorstellung. Coding Oberpfalz. Abgerufen am 12. September 2026 von https://oberpfalz.hypotheses.org/163


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